Hurra, ich bin da:
Aufgewachsen bin ich in einem Dorf. Schwieriger Ort für ein Kind, was unaufhaltsam in die Pubertät rutscht. Getrennt von einer weiblichen Person im Haushalt, sprich: Mutter, wohnte ich achtzehn Jahre lang mit meinem Bruder und meinem Vater unter einem Dach.
Als Kind liebte ich Spielzeug, Zeichentrickfilme, Süßigkeiten, Comics und Tiere. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch ich war einer der Ober-Spielzeugbesitzer im Dorf. Wenn sich Eltern trennen, kann das einen absoluten Vorteil haben, zumindest aus materieller Sicht. Zwar fehlt einem dann die wesentlich wichtigere Liebe und Harmonie einer intakten Familie, aber welches Kind tauscht das schon gegen eine gigantische Spielzeug-Sammlung von: Batman, Ninja Turtles, Star Wars, Jurassic Park und co.? Wohl niemand! Auch der Rest hat eigentlich gestimmt, außer der Sehnsucht nach etwas mehr Verständnis…
Ich bin cool, ich trag die Hosen weit:
Schublade Nummer 1, wo man mich damals reinstecken konnte, war wohl definitiv der Hip Hop. Ich liebte den „alten“ Hip Hop, Skateboarding und Grafittis. Das prägte deutlich einige Jahre meiner Jugend. Zur Konfirmation gab es dann sogar zwei Turntables und einen Mixer. Ich durfte dank meiner lockeren Erziehung relativ früh feiern gehen und spät nachhause kommen, wenn überhaupt. Das war schon der Hammer, obwohl mir eigentlich die Hip Hop Partys in meiner Gegend total auf den Sack gingen. Überwiegend liefen da Leute rum, die man sowieso jeden Tag gesehen hatte. Ausnahmen waren dann mal kleine Konzerte in der Umgebung. Aber so wirklich glücklich war ich auch damit nicht. So langsam ging mir aber auch noch viel mehr auf den Sack, denn anstatt Schulbank drücken, befand ich mich in einer Lehre zum Maurer. Natürlich hab ich mir das alles selbst eingebrockt, aber trotzdem war ich auf alle sauer. Dass der „darf alles machen“ Sohn jetzt arbeiten muss. Abgesehen davon hatte ich bis dahin auch nur kurzweilige Beziehungen mit Softporno-Touch. Alles scheiße…
Ich bin sauer und hasse alles:
Plötzlich wurde mir bewusst, dass mein ganzer Alltag nur noch aus Drecksarbeit bestand. Die Schule hatte mich ja damals schon genervt, aber dieser Beruf war für mich die Hölle und es gab kein zurück. Man konnte wenigstens in der Berufsschule etwas Spaß haben, aber auf der Arbeit ging das nicht. Die meisten Mitarbeiter waren so geprägt und routiniert, das ich mir schon im 1. Lehrjahr ernste Gedanken machte, ob das der Sinn des Lebens sei. Mir blieb aber leider nichts anderes übrig als: Schnauze halten und durch. Die Wochenenden waren dann mein Ventil. Feiern, feiern, feiern! Als ich dann meinen Führerschein hatte ging es so richtig los. Ich verlor den Hip Hop und feierte überwiegend in Metal-Kneipen und Techno-Clubs. Ich irrte immer mehr durch verschiedene Szenen, nahm Drogen und verliebte mich komplett neu. Die zweite Schublade in meinem Leben ist wohl der Gothic. Was haben mich die Leute angeschaut. Es war zu lustig! Rasierte Augenbrauen, Lackrock, bunte Kontaktlinsen, Schminke, Nagellack, Netzhemd, Stiefel, Nieten, Ringe, Mantel und eine Lebenseinstellung wie Kotze, das war ich mit achtzehn Jahren. Es dauerte auch nicht lange, bis ich eine gleich gesinnte Frau kennen lernte. Ich zähle diese Frau zu meiner ersten richtigen Beziehung. Sie war vier Jahre älter, Krankenschwester-Azubi und spielte in einem SM-Porno die devote, war aber Beziehungstechnisch absolut dominant. Ich entschloss mich mit meiner Vogelspinne, zu ihr zu ziehen. Sie wohnte in einem Schwesternwohnheim, was da so alles abging, glaubt mir kein Mensch…
Unsere Beziehung hielt ungefähr ein halbes Jahr, brachte mir jedoch genug Erfahrung in fast jeder Lage, so dass ich wirklich glücklich bin, diesen Menschen kennen gelernt zu haben.
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